Technik

Tragschrauber fliegen

 

Ungeahnte Freiheitsgrade erleben! Der Tragschrauber, auch Gyrocopter oder Autogyro genannt, ähnelt vom Äußeren her sehr einem Hubschrauber, deshalb wird er auch von Laien oft mit einem solchen verwechselt. Technisch und in seinen Flugeigenschaften unterscheidet er sich jedoch vom Hubschrauber, er zeichnet sich ihm gegenüber durch seine wesentlich einfachere und damit preiswertere Technik aus. Die Anschaffungs- und Betriebskosten eines Tragschraubers liegen bei einem Bruchteil von denen eines Hubschraubers. Die Anfänge der Entwicklung des Tragschraubers gehen bis in die dreißiger Jahre zurück, er blieb aber bis vor einigen Jahren aus verschiedenen Gründen ein Exot. Neueste flug- und materialtechnische Erkenntnisse lassen diese Art des Flugzeugbaus jetzt wieder ins Interesse rücken.

 

Im Jahr 2003 ist in Deutschland die gesetzliche Grundlage für die Zulassung von Tragschraubern geschaffen worden. Sie sind danach als aerodynamisch gesteuerte UL eingestuft. Die Firma AutoGyro GmbH produziert Tragschraubern  am Unternehmensstandort in Hildesheim und ist mit 250 Auslieferungen in 2009 Weltmarktführer . Bei AutoGyro handelt es sich um ein seit 15 Jahren am Markt befindliches, im UL Bau erfahrenes Unternehmen. Die derzeitigen Modelle, der MT03 und der MTOsport sind offene Tragschrauber in Tandemanordnung, die Produktpalette  wurde im Jahr 2009 um ein geschlossenes Modell (Calidus) erweitert

Bei diesem Flugsport handelt es sich in Deutschland um eine völlig neue und andersartige Art der Fliegerei. Hier eröffnet sich endlich für eine breite Zielgruppe die Möglichkeit, für 10% der Kosten ca. 60% Hubschrauberfliegen (Feeling) zu erleben, welches aufgrund der immensen Kosten der großen Mehrzahl aller Sportpiloten verschlossen bleibt. Die Investitionskosten beim MT03 bzw. MTOsport liegen im Bereich von anderen preiswerten UL, die Betriebskosten liegen bei ca. 2/3 der Betriebskosten von herkömmlichen Sportflugzeugen. Er spricht vor allen Dingen diejenigen Piloten an, die das Außergewöhnliche suchen!

Entwicklung

Ein Tragschrauber, auch Gyrocopter (von griechisch gyros = Drehung, Wendung) ist ein Luftfahrzeug, dass sich durch einen waagerechten Rotor für den Auftrieb und einen senkrecht angebrachten Propeller für den Vortrieb, kennzeichnet. Es stellt somit eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber dar.
Sogenannte Gyroplanes oder Autogyros sind die Vorgänger des Hubschraubers und wurden zwischen den Weltkriegen entwickelt. Als der Erfinder des Autogyro gilt der Spanier Juan De La Cierva im Jahr 1923. Die Entwicklung in Deutschland wurde u.a. von Focke-Wulf vorangetrieben.

 

Tragschrauber definieren sich über folgende Eigenschaften:

• kein Überziehen
• kein Trudeln
• minimale Startstrecken (50 ... 200 m)
• keine Landestrecke erforderlich
• extremer Langsamflug möglich
• geringere Festigkeitsprobleme
• mehr Widerstand (= weniger Geschwindigkeit / geringere Reichweite)

Tragschrauber haben gegenüber dem Hubschrauber den Vorteil, dass sie nur etwa 10% der Anschaffungs- und 10% der Betriebskosten erreichen.

Nachteil: Sie können nicht Hovern (im Stillstand fliegen), seitwärts und rückwärts fliegen und auch nicht senkrecht Starten und Landen (von Sonderkonstruktionen abgesehen). Eine Bergung von Personen oder Lasten ist unmöglich.

Der Rotor ist ein Kreisel. Sich drehende Kreisel neigen dazu, ihre Lage im Raum beizubehalten. Wirkt auf einen Kreisel eine Kraft, "weicht er der Kraft aus", er präzediert. Eine an einem Kreisel angreifende Kraft wirkt immer 90° "später" (um 90° versetzt in der Drehebene).

Das voreilende Rotorblatt erzeugt mehr Auftrieb als das Rückeilende. Wäre es kein Kreisel, würde die Rotorebene nach links kippen (i. d. R. eilt das rechte Blatt voran).
Wegen der Kreiselwirkung wird der Tragschrauber jedoch vorne angehoben. Diesem Drehmoment um die Querachse wirkt ein mit zunehmendem "aufbäumen" ebenfalls zunehmendes Gegenmoment der Gewichtskraft entgegen (Fluzeugrumpf + Pilot + Motor + Leitwerk + Kraftstoff hängen wie ein Pendel an der Rotorscheibe).

Mehr Schub vom Motor bedeutet mehr Geschwindigkeit=mehr Auftrieb. Weniger (oder kein) Schub vom Motor bedeutet weniger Geschwindigkeit=weniger Rotordrehzahl=weniger Auftrieb. Reicht die Rotordrehzahl nicht mehr aus, die Flughöhe zu halten, geht der Tragschrauber in einen Sinkflug über: Der Anstellwinkel steigt wieder an, der Rotor wird auf Drehzahl gehalten. Ein Tragschrauber kann also niemals "überzogen" werden, er kann gar nicht anders, als sich seine Fahrt zu holen. Das Gleitverhältnis ohne Motorleistung beträgt etwa 1:4 (Segelflugzeuge haben bis zu 1:60), die Landerollstrecke beträgt aber nur 0 - 20 m, weil die Vorwärtsgeschwindigkeit dann sehr gering ist (20 bis 60 km/h typischerweise).

 

Technische Daten

 

• Doppelsitzer Tragschrauber in Tandemanordnung und Doppelsteuerung
• Frontscheibe für vorderen und hinteren Passagier
• Grundrahmen und Anbauteile sind vorwiegend aus Edelstahl.
• Motor Rotax 912 ULS 100 PS oder 914 Turbo 115 PS
• Edelstahl Abgasanlage.
• Verkleidungsteile, Sitze, Achse, Propeller und Leitwerk aus Faserverbundwerkstoffen.
• Hydraulische Scheibenbremsen am Hauptfahrwerk mit Parkbremse.
• Pneumatische Trimmung sowie Rotorbremse.
• Kunststofftank mit integriertem Drain.
• Air-Copter-Rotorsystem 8H12 NACA aus Luftfahraluminium.
• Pneumatischer Prerotator mit Winkelgetriebe.

 

Motor Rotax
Leergewicht
Max. Abfluggewicht
Zuladung
VNE
V/Reise
V/min
Steigrate
Startrollstrecke
Landerollstrecke
Tankinhalt
Reichweite
Rotordurchmesser

100 PS/ 115 PS Turbo
239 Kg
450 Kg
211 Kg
163 Km/h
130 Km/h
30 Km/h
5 m/s / 6m/s
15 bis 70 m/10 bis 65 m
0 bis 15 m
69 l
ca. 400 Km
8,40 m

 

Serieninstrumentierung
Fahrtmesser / Höhenmesser
Kompass
Motordrehzahl / Rotordrehzahl
Öltemperatur / Zylinderkopftemperatur / Öldruckanzeige
Ansaugtemperatur/Lagertemperatur
Trimmanzeige